Nena

Liebe Leute,
heute schreibt meine Freundin Annika Line Trost für N-fo. Ich finde ihren Beitrag sehr cool und freue mich, dass ich Dank ihr nun “Restlos Glücklich” bin:) Werde dort auf jeden Fall bei meinem nächsten Berlin-Trip Essen gehen!
Love, Nena

Restlos Glücklich. Ein kleines Restaurant in Berlin Neukölln gibt aussortierten Lebensmitteln eine zweite Chance. Ob krummes Gemüse oder falsch etikettierter Käse – Nahrungsmittel, die täglich tonnenweise weggeworfen werden, bekommen bei Restlos Glücklich doch noch ihr Happy End auf dem Teller.

Heute auf der Karte: Bunter Salat der Saison mit marinierten Gurken und Radieschen, gebackenen Kürbisspalten und Auberginencroutons. Frittierte Blumenkohl-Kichererbsenbällchen an Süßkartoffelcreme mit süß-saurer Paprika und Schwarzkohl. Und als Dessert: Zweierlei Hafer an Pflaumen-Traubenragout – Klingt lecker? Ist es auch!!! Nicht zu fassen, dass die Kürbisspalten, die mich aus dem Salat heraus in ihrem fröhlichen Orange anlächeln, fast nicht in meinem Magen, sondern im Müll gelandet wären! Und Warum?
„In diesem Fall hat der Kürbis für den Verkauf im Supermarkt den Schönheitswettbewerb nicht bestanden. Seine Schale war nicht glatt genug …“ sagt Lebensmittelretterin Catrin vom ehrenamtlich arbeitenden Restlos Glücklich e.V. –Team. Ein Verein, dessen Ziel es ist, Nahrungsmittel wieder mehr wertzuschätzen, der Geld, das überbleibt, nicht in die eigene Tasche steckt, sondern in Bildungsprojekte wie Kochkurse für Jugendliche. Fast alle Lebensmittel sind Spenden.

Wann wusstet Ihr heute, dass es zum Salat den Kürbis gibt?
Catrin: Bei uns ist alles sehr spontan. Wenn wir morgens die Lebensmittel abholen, sichtet Daniel Roick, unser Koch, zunächst, welche Lebensmittel da sind. Dann überlegt er sich, was er daraus zaubern kann.

Und woher bekommt Daniel die Lebensmittel?
Wir arbeiten mit verschiedenen Partnern zusammen. Die meisten sind aus der Bio-Branche und daran interessiert, dass möglichst nichts weggeworfen wird, wie zum Beispiel „denn’s Biomarkt“ und ein Biogroßhändler. Wir bekommen Produkte mit beschädigter Verpackung, freitags Brot und Gemüse, das sich übers Wochenende nicht mehr hält, um es am Montag weiterzuverkaufen oder Retourware und stornierte Bestellungen. Obst und Gemüse holen wir auch direkt von Landwirten, weil es zu groß, zu klein, zu dick, zu dünn ist. Im letzten Jahr hatten wir auf diese Weise große Mengen riesiger Zucchini … Bei Tee und Wein ist manchmal bloß das Etikett verrutscht. Und gerade haben wir ganz viele Schokoladetafeln in Osterverpackung, deren Mindesthaltbarkeitsdatum erst im Januar abläuft.

Das Mindeshaltbarkeitsdatum, das ist so eine Sache, oder?
Ja, viele Menschen, nehmen es damit extrem genau. Dabei ist es lediglich eine Richtgröße. Viele Lebensmittel können auch noch nach diesem Datum gegessen werden. Um zu erkennen, ob etwas noch gut ist, kann man sich ruhig mehr auf seine Sinne verlassen. Einfach mal genau schauen, wie es aussieht und welche Konsistenz es hat. Daran riechen und probieren.

Fallen bei Euch eigentlich auch Lebensmittelreste an?
Wir achten auf realistische Portionen. Bei uns wird daher fast immer aufgegessen. Und Lebensmittel, die wir nicht verarbeiten können, gehen an die freiwilligen Helfer oder karitative Einrichtungen.

Was kann jeder Mensch zu Hause tun, damit weniger Lebensmittel im Müll landen?
Da kann ich Einmachen und Fermentieren empfehlen. So lassen sich wunderbar verschiedene Obst- und Gemüsereste weiterverarbeiten und haltbar machen. Demnächst starten wir bei uns Fermentationsworkshops. Und auch durch das richtige Lagern von Lebensmitteln halten sie sich länger.

… und beim Einkaufen?
Da ist mein Tipp, bewusster einzukaufen. Nur kaufen, was man auch schafft aufzuessen. Und: Niemals hungrig einkaufen gehen! Ansonsten: Erst verwenden, was noch im Kühlschrank ist und kreativ mit Resten umgehen. Auch ruhig mal ungewöhnliche Kombinationen wagen. Reste-Apps, wie “Beste Reste” nutzen. Mit Nachbarn und Freunden Lebensmittel tauschen oder einfach abgeben/abnehmen, was zu viel ist. Und Obst aus dem Garten zum Beispiel schafft ganz nebenbei Bekanntschaften. Ältere Nachbarn trauen sich oft nicht, um Hilfe beim Ernten und Verarbeiten zu bitten …

Was meinst Du, wenn es eine zweite Chance für einen Kürbis gibt, hat unser Planet dann auch eine?
Jeder kann auf seine Art einen Beitrag zur Rettung unseres Planeten leisten. Nicht nur reden, einfach machen und vorleben. Ob das klappt, wird sich zeigen, jede Tat zählt. Wir fangen den Kürbis auf, bevor er im Müll landet.

Entdecke die besten Produkte um nachhaltig zu kochen und zu genießen

n-fo_restlos_7_drinnen-aufsteller
Restlos Glücklich in der Kienitzer Strasse 22 in Berlin-Neukölln
n-fo_restlos_3-friakdellen
Bei Restlos Glücklich isst nicht nur das Auge mit, sondern auch das Gewissen.

n-fo_restlos_4-osterschoki
Schokolade mit Osterhasenverpackung? Schmeckt im Herbst genauso lecker!

reslos-final

Autorin: Annika Line Trost Foto: Hadley Hudson
Autorin: Annika Line Trost ist Musikerin und Autorin Foto: Hadley Hudson